Szenen zweier Ehen
Das Deutsche Theater München präsentiert eine Produktion der Kammeroper München
Opernabend in zwei Einaktern
Wer in der Ehe die Hosen anhat? Die richtige Antwort wäre: Keiner, denn die stören ja bloß. Doch damals wie heute sehen sich die Männer gern als die Vorsitzenden des häuslichen Zusammenlebens. Mit Szenen zweier Ehen präsentiert die Kammeroper München einen Doppelabend, der die komische Oper als das zeigt, was sie sein kann: ein präzises Sezierinstrument männlicher Selbsttäuschungen – und ein ebenso vergnüglicher wie treffsicherer Blick auf die fragile Statik des Zusammenlebens.
Männliche Sinnkrise
In den Intermezzi Pimpinone von Georg Philipp Telemann und Susannas Geheimnis von Ermanno Wolf-Ferrari werden diese männlichen Selbstentwürfe mit sichtlichem Vergnügen zerlegt. Was als souveräne Ordnung gedacht war, entpuppt sich als brüchige Inszenierung: Hier der geschniegelt-überforderte Pimpinone, dort der eifersüchtig witternde Graf Gil – zwei Männer, die weniger an der Untreue ihrer Frauen scheitern als an der eigenen Vorstellung davon, wie Ehe zu funktionieren habe.
Weibliche Macht
Die Frauen? Vespetta und Susanna agieren mit jener Mischung aus Intelligenz, Pragmatismus und subversivem Witz, die den männlichen Kontrollfantasien leise, aber nachhaltig den Boden entzieht. Am Ende bleibt von der behaupteten Autorität wenig mehr als eine Pose und die Erkenntnis: In einer Beziehung kann man nichts verstecken und schon gar nicht sich selbst.
Besetzung
Aris Alexander Blettenberg – Arrangement & Musikalische Leitung
Felix Scharff – Regie & Fassung
Jan-Henrik Witkowski – Pimpinone
Florentine Schumacher – Vespetta
Lucija Spevec – Susanna
Lars Conrad – Graf Gil
Yasmin Li – Tänzerin & Diener Sante
