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Kleine Werkeinführung zu The Hound of the Baskervilles

Ein mysteriöser Mord und der geniale Sherlock Holmes in einer urkomischen Theateradaption mit viel britischem Humor. The Hound of the Baskervilles ist eine echte Besonderheit in unserem Spielplan. Und das nicht nur, weil wir es als englischsprachiges Original zeigen. Es handelt sich dabei auch um reines Sprechtheater. Im Folgenden haben wir eine kleine Werkeinführung zusammengestellt, mit Infos und Hintergründen zur Geschichte und zur Inszenierung.

Der Hintergrund

Sir Arthur Conan Doyle (1859–1930) schrieb insgesamt 56 Kurzgeschichten und vier Romane über den scharfsinnigen Detektiv Sherlock Holmes und seinen Partner Dr. Watson. Der dritte dieser Romane war The Hound of the Baskervilles, der erste Auftritt von Holmes nach seinem scheinbaren Tod in The Final Problem (1893) – die Nummer hat ja auch Benedict Cumberbatch erfolgreich abgezogen. The Hound wurde 1901 zunächst als Lese-Serie im The Strand Magazine und 1902 als Buch veröffentlicht.

Die Inspiration zur Geschichte erhielt Sir Doyle von einem Bekannten aus dem Dartmoor (wo auch der Roman spielt), der ihm von alten Legenden aus seiner Heimat erzählte – u.a. die vom berüchtigten reichen Landbesitzer Rachard Capel, der gerne die Töchter seiner Pächter entführt und vergewaltigt hat – der Legende nach wurde er 1677 im Buckfastleigh-Moor von einem Rudel dämonischer Hunde zu Tode gehetzt. Die Gegend von Devon mit dem tückischen Dartmoor und seinen alten, herrischen Landhäusern beeinflusste Doyle ebenfalls.

Die Charaktere

Sherlock Holmes – Privatdetektiv

Dr. Watson – Holmes‘ Partner und Erzähler der Geschichte

Sir Henry Baskerville – letzter Nachkomme der Baskervilles

Sir Charles Baskerville – der Ermordete, ein Philanthrop

Sir  Hugo Baskerville – ein sündiger Vorfahre der Baskervilles

Mortimer – Arzt, Testament-Vollstrecker und Freund der Baskervilles

Jack Stapleton – Insektenforscher im Moor

Beryl Stapleton – Jack Stapletons „Schwester“

John und Eliza Barrymore – langjährige/r Butler und Haushälterin der Baskervilles

Selden – ein geflohener Krimineller im Moor, mit den Barrymores verwandt

Die Handlung

Der alte Sir Charles Baskerville wird vor seinem Landsitz tot aufgefunden: Herzinfarkt – oder Mord? Sir Henry Baskerville, der letzte lebende Nachfahre der Familie Baskerville, reist von Kanada nach England, um sein Erbe anzutreten. Der Arzt Dr. Mortimer jedoch ruft den Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf den Plan, denn: Am Tatort hat er die Fußspuren eines riesigen Hundes gefunden und dem Toten steht ein Ausdruck blanken Entsetzens im Gesicht. Noch in London erhält Henry Baskerville einen anonymen Brief, der ihn davor warnt, auf den Landsitz der Baskervilles zu fahren. Als ihm auch noch ein alter Stiefel gestohlen wird, ist für Holmes klar, dass es tatsächlich einen Hund geben muss, der auf Sir Henrys Geruch angesetzt wurde.

Holmes schickt Dr. Watson zum Landsitz Baskerville Hall. Watson findet heraus, dass sich im Moor um das Gut der entlaufende Sträfling Selden und der Naturforscher Stapleton mit seiner schönen Schwester Beryl herumtreiben. Selden ist in Wirklichkeit der Schwager des Butlers Barrymore und er und seine Frau haben den Entflohenen mit Nahrungsmitteln und Kleidern versorgt – zu seinem Verhängnis haben letztere einmal Sir Henry gehört und ein schwarzer Hund nimmt dessen Geruch auf und tötet Selden.

Ein Familiendokument von 1742 enthüllt, dass der betrunkene Sir Hugo Baskerville eine junge Frau zu Tode gehetzt hat, die ihm nicht zu Willen sein wollte, und anschließend von einem mysteriösen Hund im Moor getötet wurde. Seither scheint ein Fluch auf der Familie zu liegen. Watson trifft im Moor unerwartet auf Holmes, der sich dort schon seit geraumer Zeit herumtreibt. Er verdächtigt Stapleton, der in Wirklichkeit auch zur Familie der Baskervilles gehört, als Drahtzieher der Morde. Um ihn zu überführen stellt Holmes ihm eine Falle: Sir Henry muss nachts allein durchs Moor gehen – und wird prompt von einem riesigen, leuchtenden Hund angefallen…

Können Holmes und Watson den jungen Erben retten und den Übeltäter fassen? Und was hat es mit Beryl auf sich, die in Wirklichkeit gar nicht Stapletons Schwester ist und die Sir Henry mit dem anonymen Brief warnen wollte?

Die Inszenierung

Die Autoren Steven Canny und John Nicholson haben den Roman The Hound of the Baskervilles nun komödiantisch für die Theaterbühne adaptiert und viel Slapstick, Monty-Python-Humor und Wortwitz eingebaut. Sie halten sich dabei weitestgehend an die originale Handlung, geben ihr aber eine noch aberwitzigere Wendung.

Lotte Wakeham hat das Ganze inszeniert: Nur drei Schauspieler übernehmen die insgesamt 18 Rollen – mithilfe von über 60 Kostümteilen und teils sekundenschnellen Rollenwechseln. Mit wenigen Requisiten – mal ein Kamin, mal ein Zaun, mal ein bisschen Nebel – kreieren die Drei verschiedene Räume und Orte. Eine Kutschfahrt à la Die Ritter der Kokosnuss, eine pantomimisch dargestellte Zugreise im Zeitraffer und Who Let The Dogs Out – in dieser Komödie ist alles erlaubt und der englische Text ist dank astreinem britischen Akzent sehr leicht verständlich. Zum Bellen komisch!